Über uns

 Vor 90 Jahren entstand in Galizien, im heutigen Polen, die jüdisch-sozialistische Jugendbewegung Hashomer Hazair, gegründet als Reaktion gegenüber den chassidischen Gemeinschaften einerseits und einem sich ausbreitenden Antisemitismus andererseits.
Im Laufe der Jahre wuchs eine lebendige und inter- national aktive jüdisch-sozialistische Pfadfinderbewe- gung. Hashomer Hatzair ist heute die älteste noch aktive jüdische Jugendbewegung.

Die Organisation selber entstand 1916 in Wien durch den Zusammenschluss von zwei aus Galizien stammenden jüdischen Jugendverbänden: der Pfadfinderbewegung Hashomer (Der Wächter, 1913 gegründet) und dem kulturell aktiven Studentenverband Ze'irei Zion (Die Jugend Zions).
Die Wiener Gruppe der Organisation wurde stark von jüdischen Flüchtlingen aus dem Osten der Doppel- monarchie geprägt, öffnete sich aber auch den Einflüssen des Wandervogels und der deutschen Jugendbewegung. Die Organisation orientierte sich an den Gedanken Gustav Wynekens, Martin Bubers und Robert Baden-Powells.

Ein Hauptziel der Organisation war die Alija nach Palästina und die Gründung von Kibbuzim. Die ersten Mitglieder erreichten 1919 das britische Mandatsgebiet. 1927 schlossen sich die vier von den Hashomer Hatzair gegründeten Kibbuzim zum Dachverband Kibbutz Artzi zusammen. Aus den in Palästina aktiven Gruppen der Hashomer Hatzair entstand 1936 die Sozialistische Liga, eine auch unter dem Namen Hashomer Hatzair agierende sozialistische Partei, die sich 1948 mit der Achdut HaAwoda zur Mapam - Vereinigte Arbeiterpartei zusammenschloss.

Der Mitgliedsstand der Hashomer Hatzair erreichte gegen 1939 mit etwa 70 000 Mitgliedern weltweit seinen Höhepunkt, der Schwerpunkt lag in Osteuropa, insbesondere in Polen. Nach der deutschen Besetzung dieser Gebiete im Zuge des Zweiten Weltkrieges und dem Beginn des Holocausts wurden der Widerstand gegen den Nationalsozialismus und der Kampf gegen die Wehrmacht zu Kernaufgaben des Verbandes, die Hashomer Hatzair wurden zu einer Untergrund- organisation.
Mordechaj Anielewicz, der Führer der Warschauer Gruppe, übernahm während des Aufstandes im Warschauer Ghetto die Leitung der Jüdischen Kampforganisation. In Rumänien wurde die Führung der Hashomer Hatzair wegen antifaschistischer Aktivitäten hingerichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen sich viele Mitglieder der Haganah und der Palmach an, die Organisation beteiligte sich auch an der illegalen Einwanderung nach Palästina.

Heute

Der Hashomer Hatzair ist auf insgesamt 4 Kontinenten und in 20 Ländern vertreten. Etwa die Hälfte der knapp 20 000 Chawerim sind in Israel, die andere Hälfte ist auf Europa, Nord- und Südamerika und Australien verteilt. In den 85 Kibbuzim des den Hashomer Hatzair nahestehenden Verbandes Kibbutz Artzi lebten 1998 etwa 35 000 Menschen. Der Hashomer Hatzair ist Mitglied des International Falcon Movement.

Nachbar Ken Wien In Europa existieren Kenim neben der Schweiz auch in Österreich (Wien), Italien (Mailand, Rom, Turin), Belgien (Brüssel, Lüttich), Holland (Maastricht), Frankreich (Paris, Lyon), Ungarn (Budapest) und Bulgarien (Sofia). Die beiden letzteren wurden in den 90er Jahren nach jahrzehntelanger Zwangspause unter den kommunistischen Regimes wieder aufgebaut.

Auch in Weißrussland und der Ukraine wurden nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Kenim errichtet, die heute sehr aktiv sind, im Moment aber noch getrennt von den europäischen Kenim
arbeiten.

 In den USA (New York, New Jersey, Philadelphia) und Kanada (Toronto) gibt es ebenfalls Kenim. In den USA finden aber keine regelmässigen wöchentlichen Aktivitäten statt, dafür geht man neben dem einwöchigen Wintermachane auch auf ein 6-wöchiges Sommermachane.

In Lateinamerika gibt es in sechs Ländern (Mexico, Chile, Uruguay, Argentinien, Brasilien, Venezuela) Kenim. Dazu gibt es in Mexico und Argentinien insgesamt drei Schwester-Bewegungen, die eine sehr ähnliche Ideologie haben und oft gemeinsam mit dem Schomer auf Machanot und Seminare gehen. Wegen der gemeinsamen Sprache gibt es in Lateinamerika eine blühende Zusammenarbeit zwischen den Kenim. Beispielsweise existiert die sehr aktive Maskirut (Sekretariat), die gemeinsame Broschüren und Itonim (Zeitungen) herausgibt und andere Aktivitäten austauscht, Projekte plant und allen Chawerim ein gemeinsames Internetforum bietet.

 In Australien gibt es in Melbourne ein Ken. Eine Besonderheit des australischen Kens ist es, dass man ein Jahr nach Israel in einem Kibbutz leben muss, um Boger zu werden - wie das übrigens auch in Südamerika von vielen Bogrim praktiziert wird.

Die Bewegung in Israel verfügt über etwa 60 Kenim, sowohl in den Kibbutzim als auch in den Städten. Sie ist akt
iv in der Arbeit mit Kindern und Familien aus armen Vorstädten und von neuen Einwanderern und kämpft aktiv für mehr soziale Gerechtigkeit in der israelischen Gesellschaft. Die Tnua in Israel ist organisatorisch vom Rest der Welt getrennt.

Trotz den vielen Untersc
hieden zwischen den verschiedenen Ländern, auch was die Anzahl der Juden und die der anderen jüdischen Jugendbewegungen betrifft, haben alle Kenim bis auf einige wenige Ausnahmen etwa hundert Chawerim und arbeiten sehr ähnlich.
Es ist erstaunlich, wie sich der Schomer trotz tausenden von Kilometern Entfernung zwischen den Kenim
überall gleicht.